Missing Mars

Zeiss Großplanetarium, Berlin Prenzlauerberg, Dezember 2004

 

Diaprojektion, 10 Deckenlautsprecher, Audio-Verstärker, Audiointerface, Diaprojektor, Computersteuerung und gesprochene Texte aus der „corrispondenza su marte“, eine Sammlung von Briefwechseln zwischen Schiaparelli und anderen Astronomen.

   

 

 

 

 

Fast jeder Winkel der Erde ist ausgekundschaftet. Der Mars, als unbekanntes menschenfreies Territorium, beflügelt seit der Renaissance die menschliche Phantasie und bietet auch heute reichliche Projektionsmöglichkeiten. Die Begrenzung der Erde und die Sehnsucht nach einem noch nicht vom Menschen betretenen offenen Ort, mit der Absicht, diesen zu besetzen sind Thema der Klanginstallation Missing Mars (Polyakow). Dabei untersuchen wir den Übergang von der Imagination zur Illusion eines Ortes und die Sehnsucht, die Begrenztheit der Erde zu verlassen. Die Klanginstallation umfasst eine visuelle sowie sprachliche Ebene. Entgegen der gesprochenen Texte, die den Mars imaginativ beschreiben, setzen sich grafische Darstellungen mit den konkreten Vorbereitungen auseinander, den menschlichen Körper so zu trainieren, dass er die Reise an einen Ort außerhalb der Erde überstehen kann. Gesprochene Textauszüge aus der „corrispondenza su marte“, eine Sammlung von Briefwechseln zwischen Schiaparelli und anderen Astronomen / Gelehrten, beschreiben die Versuche, diesen fremden Ort durch das Teleskop zu erkennen, die Euphorie der Entdeckung, den Wunsch einer eindeutigen Zuordnung und die Auslegung von dem Gesehenen. Die Marsbeobachtungen werden zur Illusion, über den Versuch eine räumliche Erklärung über die Wasserkanäle abzugeben, wird Leben auf dem Mars vorausgesetzt. Diametral dazu zeigen grafische Darstellungen verschiedene körperliche Übungen aus der Raumfahrtmedizin, ein Trainingsprogramm um körperlich, die enormen physischen Anforderungen während eines solchen Langzeitfluges zu meistern.


Textbeispiel: »Auf dem überschwemmten Land, das Noachis heißt, sind die Nebel hartnäckig auf dem selben Platz geblieben bis zum Dezember; ich war lange Zeit am Zweifeln, was ich mit dieser weißen, sich verändernden und an den Rändern verfließenden Masse tun sollte. Schließlich konnte ich sehen, dass sie zu einer Untiefe gehören. Leider ist der Planet dermaßen entfernt, dass man keine exakten Erhebungen machen kann.«
(Schiaparelli a Struve, Milan, 4. Januar 1878)

Sprecher: Michael Hirsch, Christian Kesten


Gefördert von der Senatsverwaltung Berlin, 2004

 

 
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