Zwischen Maßnahmen

Kunstverein Ludwigshafen 2012/13

Kuratorin: Barbara Auer


Video-Soundinstallation, 15:00 Min. Loop, Farbe, 10-Kanal-Audio, synchron/5-channel
Video Installation (Panoramaprojektion 20 x 4 m, zwei Video-Projektion (4x4m und 4x2m) Full HD,

 

 

 

 

 

 

 

»Es soll in Zusammenarbeit mit Staat und Industrie eine Idealstadt entstehen, die den Bewohnern die Beschwernisse des Verkehrs weitgehend erspart und den einzelnen Ortsteilen ihr Eigenleben nach Möglichkeit gestattet.«, so berichtete der General-Anzeiger1958, über die Pläne des Oberbaurats Ziegler.

Im Juli 1959 wurde dann in Ludwigshafen mit den Bauarbeiten der Stadtautobahn begonnen, die erste dieser Art in ganz Europa. In 60-70iger Jahren folgten weitere Hochbahnen und der Hauptbahnhof wurde aus dem Zentrum in die Peripherie der Innenstadt verlegt. Ludwigshafen steht exemplarisch für viele Städte in Deutschland und Europa. 50 Jahre später sind an vielen Orten Sanierungen der Hochstraßen, Ringe, Tangenten und Stadtautobahnen in Planung. Innenstädte sind zerschnitten, ungenutzte Brachflächen sind entstanden und Fußgängerzonen wirken durch Leerstand verwaist.
Die Video-Klang-Installation »Zwischen Maßnahmen« greift die Geschichte und das heutige Stadtbild Ludwigshafens auf. Dabei interessierte uns der Gegensatz zwischen gewachsenen Strukturen und den teilweise brachialen Maßnahmen einer Stadtplanung, in Zeiten eines industriellen Aufschwungs, Strukturwandels und städtischen »Rückbaus«. Drei Videoprojektionen und deren gemeinsame Vertonung werfen aus verschiedenen Perspektiven, einen Blick auf die Stadt, von oben von der Hochstraße aus, aus dem fahrenden Auto und von unten durch die zahlreichen Unterführungen laufend. Eine weitere 20 x 4 m große Projektion, zeigt ein Panoramabild, eine sich permanent verändernde Bildanimation, eine Vedute von Ludwigshafen. Wie die Vertonung, die aus verschiedenen Klangaufnahmen der Stadt besteht, setzt sich diese Animation aus Bild-Ausschnitten zusammen, aus gefundenen Stadtelementen, Gebäuden, Brachflächen.
Es ist ein akustischer und visueller Auf- und Abbau der Stadt zu erleben, inmitten sich die Zuschauer befinden. Ein Rhythmus von auftauchenden und verschwindenden Häusern, Kirchen, Supermärkten und Stadtgeräuschen, der abrupt unterbrochen wird, dann wird es still in der Ausstellungshalle, nur das Sirren der angehenden Lampen ist hören und nach kurzer Zeit beginnt es wieder von Neuem.

 

 
© dyffort & driesch